24. Jänner 2020: Norwegen hat zwei Gesichter

 

Wie lässt sich der steigende Verkauf von Öl und Gas mit den eigenen Klimazielen verbinden? Norwegen hat eben zwei Gesichter. Einerseits betont man in diesem Land, dass für den Klimaschutz viel geleistet werde:

- Jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug sei jetzt schon ein E-Auto.

- Der Strom stamme zu 95 Prozent aus Wasserkraft.

- Pro gefördertem Barrel Öl fielen weniger als ein Kilogramm CO2 an (18 Kilogramm  seien es im internationalen Schnitt).

- Bis 2050 wolle man klimaneutral sein.

- Norwegens CO2-Emissionen lägen nur bei 53 Millionen Tonnen.

 

Andererseits aber verursacht die Verbrennung des exportierten Öls und Gases 470 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Das ist beinahe so viel, wie ganz Frankreich ausstößt (Norwegen hat 5 Millionen Einwohner, Frankreich 65 Millionen).

 

Wenn Norwegen von Klimaschutz spricht, meint es nur das eigenen Land. Dieses Doppelspiel ist durch die globalen Klimaregeln gedeckt. In die nationale Bilanz fallen nur die Treibhausgase, die auf eigenem Boden anfallen. So wird der Ausstoß deutscher Kohlekraftwerke Deutschland angerechnet, auch wenn Österreich Strom von Deutschland abnimmt. Österreich wiederum schluckt hohe Verkehrsemissionen, die es durch seien Billigsprit verursacht, auch wenn er erst südlich des Brenners oder in Bayern verbrannt wird.

 

Norwegen lebt von den fossilen Energien. Rund 60 Prozent der Exporterlöse stammen aus dem Geschäft mit Öl und Gas. Fast 90 Ölfelder sind in Betrieb, mehr als 70 neue Explorationslizenzen erteilt. Auch Österreichs OMV ist mit von der Partie. Das Sverdrup-Feld soll bis zum Jahr 2070 fördern. Das ist 20 Jahre, nachdem die globalen Emissionen auf null sein müssen. Zumindest verlangt dies das Pariser Klimaabkommen, das Norwegen als eines der ersten Länder ratifiziert hat.

 

Ein Großteil der norwegischen Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas fließt übrigens in einen Staatsfonds. Er ist 1000 Milliarden Euro schwer. Doch der investiert nicht mehr in Unternehmen, die fossile Geschäfte machen. Das ist immerhin etwas Positives.

 

 

Quelle: Auszug aus dem Zeitungsartikel „Heucheln ist erlaubt“ von Martin Stricker in der Tageszeitung „Salzburger Nachrichten“ vom 24. Jänner 2020